Weihnachtsleserei zum dritten Advent

In der Vorweihnachtszeit erinnern wir uns ja im Regelfall gerne mal daran, wie gut es uns eigentlich geht – und dass man mal was zurückgeben könnte. Vorzugsweise an all jene, die eben nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und das halt nicht nur ab und zu, wie jeder von uns, sondern ziemlich konsequent (und wahrscheinlich auch nicht erst seit gestern). Kein Wunder also, dass gerade im Dezember, wenn die Adventskerzen beschaulich und reihenweise abgefackelt werden, Spenden und dazugehörige Veranstaltungen Hochsaison haben. Geben und teilen kann man zwar das ganze Jahr über, aber hey, ich greife ja selbst vor lauter Herzenswärme und Sentimentalität gerne mal tiefer in die Tasche, sobald Glühweinduft und der Geruch von gebrannten Mandeln durch die Straßenschluchten Hamburgs wabern.

Immer beliebt sind da natürlich Spendenveranstaltungen der Hamburger Prominenz. Promis, wie Tim Mälzer zum Beispiel, obwohl der sich wahrscheinlich gar nicht als Promi, sondern einfach nur als Koch bezeichnen würde. Und sowieso ist der Mälzer auch gar nicht auf die Weihnachtszeit angewiesen, um Gutes zu tun, denn sein soziales Engagement ist in Hamburg inzwischen legendär. Kommt man ihm mit einer guten karitativen Idee, dann unterstützt er gerne, wenn er kann. So auch dieses Jahr, denn am zweiten, dritten und vierten Advent findet im Studio seines Restaurants Bullerei die Weihnachtsleserei statt.

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Kiezlegende Kalle Schwensen plaudert aus dem Weihnachtsnähkästchen (c) Elbgängerin

Nun will sich aber niemand vom Mälzer charmant-lieb lispelnd jeden Sonntag die Weihnachtsgeschichte vorlesen lassen, wenn wir mal ehrlich ist. Muss er sich selbst auch gedacht haben. Und deswegen sieht das Konzept der Weihnachtsleserei eben so aus: andere Prominente werden eingeladen, um für lau etwas – vorzugsweise rund ums Thema Weihnachten – vorzulesen. Dazu gibt es Glühwein, Kekse und Lebkuchen. Außerdem geht nicht nur ein Jutesack zwecks Spenden für die Straßenzeitung „Hinz und Kunzt“, mit dessen Verkauf sich viele Obdachlose finanzieren, und das Kinder-Hospiz Sternenbrücke herum, sondern man kann bei einer Überraschungsauktion auch noch mächtig viel Geld lassen. Überraschung bedeutet in diesem Fall: erst wird ersteigert, dann erfährt man, was es überhaupt gibt. Da ich bei der ersten Weihnachtsleserei (wo unter anderem Sky du Mont ein wenig las) nicht dabei war, kann ich nur mutmaßen. Bei der zweiten Veranstaltung wechselten für 400 Euro ein signiertes FC St. Pauli-Trikot, ein signiertes Mälzer-Kochbuch, ein Gutschein für zwei Personen (Essen UND Getränke) für Mälzers neues Restaurant an der Alster sowie ein Kochkursgutschein für zwei Personen bei – natürlich – Mälzer (ich habe ja gesagt dass der Mann sich nicht lumpen lässt!) den Besitzer.

Kommen wir aber nun mal endlich zu den lesenden Gästen, die charmant-fröhlich von Hin und Gag anmoderiert wurden. Den Anfang machte Paula Lambert, ihres Zeichens Autorin („Keine Panik, ich will nur Sex“, „Eine Frau mit Pentetrationshintergrund“) und Fernsehmoderatorin („Paula kommt“)., die aus ihrem aktuellen Buch „Finde dich gut, sonst findet dich keiner“ las. Zugegeben, ihr Auftritt war zwar tierisch sympathisch, aber für meinen Geschmack auch etwas stränge. Derart viel Nebenbeiseelenselbstentblößung muss man halt mögen. Ich bin da eher etwas peinlich berührt, wenn mir ein wildfremder Mensch von seinen Psychotherapieeinsichten erzählt. Bei solchen zwischenmenschlichen Kalibern brauche ich schon ein Kennenlernen. Call me Spießer. Was aber nichts daran ändert, dass ich Paula Lambert unheimlich sympathisch finde und ihr alles Glück der Welt wünsche.

Absolutes Highlight war dann aber ganz eindeutig der Auftritt von Kiezlegende Kalle Schwensen, der eigentlich gar keinen Bock hatte, etwas vorzulesen und der sichtlich erleichtert war, als er erfuhr, dass er auch einfach vor sich hinlabern kann. Fand er gut, obwohl er sonst einfach seine Facebook-Postings vorgelesen hätte. So kamen wir aber in den Genuss zu erfahren, wie er sich im Jahr 2001 seinen Weihnachtsbaum organisiert hat. Also direkt aus dem Einkaufszentrum nebenan. Nicht vom Weihnachtsbaumverkaufsmenschen, denn Kalle hat einfach mal nen komplett geschmückten Dekobaum von 2,70m Größe raus und nach Hause getragen. Er musste dann noch mal wiederkommen, um auch den Tannenbaumkübel zu klauen, weil sein Christbaumständer zu klein war. Dass dann ein paar Tage später auch noch ein paar Kugeln von den anderen Dekobäumen dran glauben mussten, versteht sich von selbst. So ein Baum zu Hause gehört halt prall geschmückt. Der Saal tobte teilweise vor Lachen, weil Kalle halt auch so schön trocken erzählt. Herrlich! Und wie feiert eine Kiezlegende Weihnachten? Och, immer anders. Kalle ist da flexibel. Hauptsache es gibt Gans, Rotkohl und Klöße. Dann ist alles im grünen Bereich. Und wenn ihm seine Freundin dieses Festmahl auch noch in Strapsen serviert, dann ist das ein gelungenes Weihnachten. Ihr seht: in Sachen Unterhaltung ist auf Kalle Schwensen Verlass.

Überraschung: Uwe Ochsenknecht wollte eigentlich ein Steak - bekam aber ein Publikum (c) Elbgängerin
Überraschung: Uwe Ochsenknecht wollte eigentlich ein Steak – bekam aber ein Publikum
(c) Elbgängerin

Ganz zum Schluss gab es übrigens noch einen kleinen Spontanauftritt. Uwe Ochsenknecht, der in der Bullerei eigentlich nur ein Steak essen wollte, wurde gleich mal vom Personal angequatscht und ins Studio geschleppt. Lange bitten mussten sie nicht, denn Ochsenknecht war von der Weihnachtsleserei-Idee derart angetan, dass er nicht nur eine kurze Weihnachtssatire mit viel Elan und Spielfreude vorlas, sondern gleich schon ankündigte, im nächsten Jahr regulär mit dabei sein zu wollen. DAS sind dann die Dinge, die mir persönlich das Herz erwärmen und dafür sorgen, dass ich doch noch Hoffnung habe, wenn ich an diese Welt denke.

Und sonst so? Pünktlich zum vierten Advent gibt es im Studio der Bullerei die dritte Weihnachtsleserei. Dann mit Katrin Bauerfeind (ich war ja Hardcore-Fan ihrer „Bauerfeind“-Sendung) und Thees Uhlmann (ich liebe seine Musik und habe mir ganz fest vorgenommen, ganz bald auch ganz sicher seinen Roman „Sophia, der Tod und ich“ zu lesen). Also, wenn ihr am Sonntag nichts vorhabt, dann kommt doch einfach mal zur Weihnachtsleserei #3. Beginn ist 17 Uhr. Kleiner Tipp: es wird brechend voll und Einlass ist bereits um 16:15 Uhr. Es lohnt sich, rechtzeitig da zu sein. Die Wartezeit kann man sich ja mit einem leckeren Glühwein vertreiben.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. seesternsails sagt:

    Du hast den Nachmittag wundervoll zusammengefasst. Ich würde ja nächsten Sonntag glatt wieder mitkommen 😉

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    1. Elbgängerin sagt:

      Dann haben wir wohl für nächsten Sonntag ein Date. Finde ich ja gut. Du bist ja eh die beste Begleitung überhaupt. 😄

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