Endlich mal wieder ein Hauch von Broadway in der Hansestadt

„Kinky Boots“ kommt im Herbst 2017 nach Hamburg! Und zwar nicht nur als Gastproduktion, sondern so richtig als Longrun. Mehrere Monate und so. Nämlich ins Operettenhaus. Was für eine passende Spielstätte für das Musical von Cyndi Lauper und Harvey Fierstein, in dem es um einen jungen Mann geht, der die Schuhfabrik seines Vaters retten will, indem er Schuhe und Stiefel für Drag-Queens und Cross-Dresser produzieren lässt. Endlich mal wieder ein richtiger Musical-Kracher für Hamburg! Schließlich ist „Kinky Boots“ am Broadway und im West End ein echter Hit, der zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst hat – zum Beispiel sechs Tonys (so was wie der Broadway-Oscar), unter anderem als „Bestes Musical“ und drei Laurence Olivier Awards (das britische Tony-Pendant). Und so eine internationale Größe kommt endlich mal wieder hier her. Meine Freude, als ich das las, war gestern riesengroß.

(c) Masterworks Broadway
(c) Masterworks Broadway

In Sachen Bühnenunterhaltung wird Hamburg ja immer wieder gerne als deutsche Musicalmetropole gehandelt. Vor ein paar Jahren hätte ich dieser Bezeichnung auch noch blind zugestimmt. Hier liefen immerhin die ganz großen Kracher wie „Cars“ und „Das Phantom der Oper“. Und mit „Titanic“ hatten wir hier sogar große Broadway-Avantgarde auf der Bühne (wobei das Musical beim deutschen Publikum gnadenlos unterging). Nicht zu vergessen, dass sich „Der König der Löwen“ zu einem Dauerbrenner gemausert hat. Von „Tanz der Vampire“ über „Tarzan“ bis hin zu „Aladdin“ – wir hatten und haben hier schon echt große Kracher. Auch die kleine, etwas abseitige, weil lokal gefärbte Musicalszene kann sich hier inzwischen durchaus mehr als sehen lassen. Das Schmidt Theater und das Schmidts Tivoli gehen mit ihren Publikumslieblingen „Die heiße Ecke“ oder „Die Königs vom Kiez“ da mit besten Beispiel voran. Und dann ist da noch das Mehr! Theater mit grandiosen Tourproduktionen wie „Elisabeth“ oder halt im kommenden Sommer mit der umwerfenden Londoner Inszenierung von „Billy Elliot“. Ach, und das First Stage Theater gibt es ja auch noch, wo sich Musicalnachwuchs und die großen Namen der Szene auf der Bühne abwechseln.

Scheiße ja, Hamburg ist tatsächlich eine Musicalmetropole.

Und jetzt kommt das große ABER. Gerade die großen Spielstätten des Musicalbeherrschers Stage Entertainment konnten in den vergangenen Jahren nur bedingt mit neuartigen Bühnenstücken glänzen. Da wurden entweder Filme vertont und auf die Bühne gebracht („Sister Act“, „Rocky“ oder „Das Wunder von Bern“) oder aber man nahm sich die beiden Udo-Musikpriester und spendierte ihnen mit „Ich war noch niemals in New York“ und „Hinterm Horizont“ eine platte Abendunterhaltung. Klar, all diese Musicals hatten und haben ihr Publikum. Das ist ja auch schön. Nur leider hat Hamburg dadurch irgendwie den Anschluss ans internationale Musical verloren, weil man bei der Stage Entertainment halt aus sich selbst heraus international sein wollte („Rocky“ hatte hier in Hamburg seine Uraufführung, schaffte dann zwar auch den Sprung an den Broadway, hielt sich dort aber nur sechs Monate). Während am Broadway und im West End ein geniales Musical nach dem nächsten aufgeführt wurde, mussten wir uns hier mit Schmalspurkost zufrieden geben. Eine verdammt harte Zeit für jeden, der sich gerne etwas intensiver mit dem Musicalgenre auseinandersetzt.

Die Stage Entertainment hat dann zwar mit „Love Never Dies“ (die Phantom-Fortsetzung) endlich mal wieder was vom West End geholt, aber da das Stück nicht nur in London, sondern auch in Australien floppte und erst gar nicht den Broadway erreichte, war abzusehen, dass es auch hier in Hamburg baden gehen würde. Allein „Mary Poppins“, wahnsinnig gehypt und umjubelt, machte mir etwas Hoffnung – aber das kam dann nach Stuttgart und eben nicht nach Hamburg. Und jetzt eben „Kinky Boots“. Eine echte Hoffnung für mich, dass die Hamburger Musicalszene endlich wieder etwas mehr Glanz und Glamour abbekommt.

Ein kurios Detail am Rande: Nicht, dass die Stage Entertainment die Deutschlandpremiere groß angekündigt hätte. Auf deren Presseseite ist nach wie vor nichts zu lesen. Allerdings ist seit gestern die Audition-Liste für das Musical online – und wird von der Stage Entertainment auch kräftig verbreitet. Eins und eins wurde dann erst von den diversen Online-Magazinen zum Thema Musical zusammengezählt. So geht Marketing. Nicht. 😉

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anne sagt:

    Oh schön! Das klingt echt spannend!

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    1. Elbgängerin sagt:

      Freue mich wirklich sehr drauf. Bin allerdings schon sehr auf die Preise gespannt. 😎

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      1. Anne sagt:

        Hoffentlich nicht ganz so teuer…

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  2. Ich bin ja stark am überlegen, ob ich nicht Mary Poppins anschauen soll. Ich war Ewigkeiten nicht mehr in einem Musical und so ganz meins ist es nicht – aber Mary Poppins würde mich schon reizen.
    Wie Du ja sagst, die Guten sind sonst bei Euch da oben… 😉

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    1. Elbgängerin sagt:

      Da ich schon mehr als mein halbes Leben begeisterte Musicalgängerin bin, kann ich nicht so richtig einschätzen, ob dir Mary Poppins als quasi Musicalmuffel 😉 gefallen wird. Aber ich sag mal so: wenn dir der Film gefällt, dann geh hin. Musik ist ja gleich und die Choreos sollen spektakulär sein. Ich würde ja mitgehen. Aber wann bin ich schon mal in Stuttgart?

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