Santa Pauli ist für alle da

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich war bis zu dieser Adventszeit erst zweimal auf „Hamburgs geilstem Weihnachtsmarkt“ – so zumindest der Untertitel von Santa Pauli, dem Weihnachtsmarkt, der sich auf dem Spielbudenplatz direkt bis zur Reeperbahn bereits zum sechzehnten Mal ausbreitet. Bis dato war Santa Pauli für mich eher

etwas für Touristen: zu laut, zu voll, zu grell.

Willkommen! (c) Elbgängerin
Willkommen!
(c) Elbgängerin

Nachdem ich aber seit meiner Zeit in Ottensen von dessen Weihnachtsmarkt etwas kuriert bin (er ist wirklich wunderschön, aber quält ihr euch mal einen Monat lang nach einem anstrengenden Arbeitstag durch die saufenden Massen, um zu eurer Wohnung zu kommen) und der Markt am Rathaus dank chronischer Überfüllung nix für mich ist, haben mein liebster Elbläufer (er ist halt schneller als ich ^^) und ich noch vorm ersten Advent mal Santa Pauli angesteuert. Wir hatten halt mal Bock auf alkoholisches Heißgetränk. Und von Altona kann man ja auch mal schnell bis zum Kiez laufen.

Meine Überraschung war groß, als ich feststellen musste, dass Santa Pauli gar nicht so grell und laut ist. Gut, voll ist es hier oft. Eben so ab 19 Uhr, wenn auf der Bühne die Live-Musik beginnt. Und dann vor allem am Wochenende, wenn die Touris einfallen und sich im Schein der Discokugel mit einem Glühwein in der Hand mal kurz frivol fühlen wollen, während sie am Stand mit den Dessous stöbern, sich kichernd einen Schokoschwanz am Stiel kaufen, ums Strip-Zelt herumschleichen (wo nicht nur die Hüllen fallen, sondern wo es auch Porno-Karaoke gibt – natürlich alles erst ab 18) oder aber verschämt die Holzdildos von Waldmichlsholdi anglotzen. Das alles gehört natürlich auch zu Santa Pauli. Ebenso wie die schrille Eröffnungszeremonie von Drag-Queen und Kiezmutti Olivia Jones oder die Schnapsleichen, die man bei Marktschließung vom legendären Winterdeck (eine Open-Air-Cocktail-Bar mit stylisch aufgepimpten Oma-Erna-Sitzecken) kratzen kann. Wobei das Winterdeck ja eh nur so halb zu Santa Pauli gehört, weil da meist bereits vier Wochen vorher schon die Cocktailshaker durch die Luft wirbeln und der Schnaps in Strömen fließt.

Das Winterdeck: Zwischen Kitsch und Moderne (c) Elbgängerin
Das Winterdeck: Zwischen Kitsch und Moderne
(c) Elbgängerin

Aber hey, Glühweintorkler gehören zur Standardausrüstung eines Weihnachtsmarktes. Warum sollte Santa Pauli da eine Ausnahme bilden? Eben! Vor allem, weil man da mit dem Kauf von Alkohol auch noch Gutes tun kann: Den hauseigenen Glühwein kann man dort nämlich auch flaschenweise mit nach Hause nehmen. Für jede Flasche wird ein Euro an die Kinder- und Jugendhilfe St. Pauli gespendet. Und am 22. Dezember findet ab 17:30 Uhr die traditionelle Spendenauktion zugunsten der St. Pauli Kids statt. Lohnt sich immer. Und wer am 23. Dezember noch auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum sein sollte, sollte sich auch gen Santa Pauli bemühen, denn dann werden von 15 Uhr an alle Tannenbäume, die da so rumstehen (also 120), verschenkt. Wobei Spenden natürlich gerne gesehen sind, die direkt an Kinder- und Jugendprojekte aufm Kiez verteilt werden. Lohnt sich also auch.

Voll und trotzdem entspannt - so soll das sein (c) Elbgängerin
Voll und trotzdem entspannt – so soll das sein
(c) Elbgängerin

Was mich da aber wirklich fasziniert, ist die entspannte Atmosphäre, die auch durch dichtes Gedrängel nicht gemindert wird. Jeder nuckelt brav und selig an seinem Glühwein, kaut auf einer Wurst oder einem Happen Spanferkel herum (wahlweise auch sehr gerne auf einem frittierten Gemüseteigdingdong). Und wenn man mal zu angeheitert ist, dann gibt es eben doch noch einen Schokoschwanz am Stiel oder es wird exzessiv zur Musik gewippt. Aber eben alles total entspannt. Und auch nicht unwesentlich: Santa Pauli hat einen Ringaufbau. Es gibt also keine engen Gassen, durch die man sich schieben muss, sondern halt eine große Fläche in der Mitte. Als Besucher bedeutet das eine enorme Flexibilität im Bewegungsradius. Kein Wunder also, dass der liebste Elbläufer und ich inzwischen mindestens einmal pro Woche gen Kiez pilgern, um uns ein Heißgetränk oder eine Kleinigkeit zu Essen gönnen. Wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich Glühwein gar nicht so mag. Ich halte mich lieber an Kakao mit Amaretto oder den guten alten Kinderpunsch. Wobei ich aber auch den Bratapfelglühwein mit Rum vom Winterdeck empfehlen kann – legga. Den habe ich allerdings erst Anfang der Woche für mich entdeckt, als wir mit unseren tollen neuen Nachbarn (Bloggerin Anne von cardamonchai und ihr Herzensmann) auf dem geilsten Weihnachtsmarkt von Hamburg waren.

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