MenscHHen #1: Das Bratpfannenmädchen

Gestern Abend, Stresemannstraße. So Höhe der letzten 90er Hausnummern, kurz vor dem Baugerüst. Plötzlich stand sie auf dem Fußgängerweg, rannte die Haustürstufen wie im Flug hinunter: das Mädchen mit den langen braun-wilden Locken überm cremeweißen Strickpulli und der schwarzen Leggins. Auf die Schuhe habe ich nicht geachtet. So weit hinunter wanderte mein Blick nicht. Denn die junge Frau hielt mit ihrer linken Hand eine Bratpfanne auf Augenhöhe, schwenkte den grünen Griff, blickte sich suchend um.

Ein erstaunlicher Augenblick. Schon für sich allein genommen. Und dann sprach sie den Elbläufer an: „Keine Bange, ich will Sie nicht mit der Pfanne schlagen.“ Der Moment, wenn du erleichtert aufatmest. „Aber vielleicht jemand anderen.“ Grimmig guckend stratzte das Mädchen in die andere Richtung. Die Kuriosität hatte ihren Höhepunkt erreicht.

Es folgte leichtes Bedauern, dass ich diesen Moment nicht einfangen und festhalten konnte. Kein Foto hätte die Lebensskurrilität wiedergeben können. Und mal ehrlich: wer bin ich, eine grimmige Amazone mit Bratpfanne in der Hand während ihrer Mission zu stören? Eben! So bleiben nur diese Worte der Szenenbeschreibung.

Gut zwei Stunden später auf dem Rückweg. Die Pfanne lag auf dem Souterrain-Fenstersims neben der Haustür. Das Relikt einer Geschichte. Von der jungen Frau war weit und breit indes nichts mehr zu sehen. Ein weiteres Großstadtmysterium.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anne sagt:

    Liebe. Starke Liebe.

    Gefällt 1 Person

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