MenscHHen #3: Die hilfsbereite Teufelsaustreiberin

Sie trägt eine beige Wolldecke mit Karomuster statt Hose oder Rock. Ihre schmutzigblonden Haare hängen ihr wild-strähnig ins Gesicht und zerfransen irgendwo auf ihrem Armeeparker. Das Leben hat sie abgenutzt. Das sieht man. Aber ihre blauen Augen blicken frisch und klar, als sie auf der Bahrenfelder Straße zwischen Ottenser Torbogen und Aurel auf mich zukommt. Sie murmelt schon die ganze Zeit. Dann sieht sie mich. Und kommt auf mich zu, während ich erstaunt mit der Kamera in der rechten Hand dastehe. Ich wollte doch nur Straßenkunst fotografieren.

Freundlich spricht sie mich an: „Du bist ja ganz in schwarz gekleidet! Und die roten Schuhe! Das sind die Farben des Teufels. Satan ist überall.“ Noch bevor ich irgendwie reagieren kann, fallen weitere Wörter aus ihrem Mund. „Brauchst du eine Teufelsaustreibung? Kann ich machen. Ich will nicht, dass Satan alle Menschen verknechtet. Er kriegt sie sonst alle, frisst sie sonst alle.“ Und dann fängt die Frau an zu lächeln.

Perplex. Und sprachlos. Das bin ich im ersten Moment. Was sagen? Wie überhaupt reagieren? Ich lächle zurück und bedanke mich artig für die angebotene Hilfe, versichere ihr, dass ich nichts mit dem Teufel am Hut hätte und einfach nur gerne schwarze Klamotten tragen würde – und dass mir ein wenig mehr Farbe bestimmt gut tun würde. Vielen Dank für den Hinweis auch. „Dann ist es ja gut“, sagt die Frau und geht lächelnd von dannen. Um ein paar Meter weiter einen schwarz gekleideten Mann anzusprechen. Die Fransen ihrer Wolldecke wippen dabei sacht, umschmeicheln ihre Knöchel.

Und ich? Ich stecke die Kamera in meine Tasche. In meinem Gemüt ist ganz akut kein Platz mehr für Straßenkunst. Da ist gerade nur noch Raum für die hilfsbereite Teufelsaustreiberin. Mit einem leisen Lächeln trete ich den Heimweg an, während in meinem Kopf liebevoll und mit viel Herzenswärme der Song „Selig sind die Verrückten“ von Reinhard Mey erklingt. Niemals, niemals, niemals möchte ich die abseitsgehenden Menschen in Ottensen missen.

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17 Kommentare Gib deinen ab

    1. Elbgängerin sagt:

      Meinst du die Skulptur? Das ist der Ottenser Torbogen. Steht an der Kreuzung Ottenser Hauptstraße/Bahrenfelder Straße, quasi Spuckweite zum Spritzenplatz.

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      1. Ja die Skulptur meine ich denn so etwas ohne Figuren kenne ich von der Mönkebergstraße

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      2. Elbgängerin sagt:

        Echt? Muss ich doch glatt mal in die Mönckebergstraße! Die Bronzeplastik in Ottensen ist übrigens von Doris Wasche-Walz. Aus dem Jahr 1980. Früher stand da wohl mal halt so ein richtiger Torbogen, der für Abergläubische ein Jungbrunnen war: man ging alt hindurch und kam jünger und kräftiger auf der anderen Seite heraus. Genau das sollen die beiden Frauen wohl darstellen. Und nee, ich weiß das nicht einfach so. Musste mich erst vorher schlau machen. 😉

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      3. Aha deshalb siehst so Jung aus bist wohl des öfteren durch gegangen Grins

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    1. Elbgängerin sagt:

      Nö, habe mich einfach gut gehalten. 😉 Und was meinst du mit ochberlin? Habe ich mich irgendwo vertippt? *such*

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      1. weiß dein Kerl das zu schätzen

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      2. Elbgängerin sagt:

        Ja, weiß er. 😉

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      3. Aha und so weiß ich es auch

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      4. weil du Elbochberlin irgend wo zu stehen hast

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  1. Elbgängerin sagt:

    Oh, muss ich mal suchen gehen. Danke für den Hinweis!

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  2. Elbgängerin @elbgaengerin
    Little Lucy. 😍❤ Artist: elbochoberlin
    #streetart #urbanart #schanze #hamburg #pasteup… https://www.instagram.com/p/BQR_kajDist/

    6h

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    1. Elbgängerin sagt:

      Ah, das Instagram-Foto! Da ist „elbochoberlin“ aber korrekt – so heißt der Künstler. 😉

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  3. Jetzt weiß ich es, es ist ein Graffiti Künstler

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      1. nee ne Koksasche im Kragen ne quiedje?

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