Ein Besuch in der Street Art School Hamburg

Wer sich für Kunst im Öffentlichen Raum interessiert, stößt in Hamburg früher oder später auf die Street Art School. Hö? Eine Schule für Streetart? Im Ernst jetzt? Jepp. Allerdings ist es keine Schule im herkömmlichen Sinne, denn hier gibt es weder starre Kurse noch einen strammen Lehrplan. Die Schule ist nämlich wie die Straßenkunst selbst: frei und vielfältig. Hier kann jeder machen, was er will. Einige arbeiten gerne in Gruppen oder tauschen sich mit anderen Artists über Techniken, Stile und Hintergründe aus. Andere wiederum sind lieber nur für sich und ziehen ihr Ding komplett alleine durch. Jedem ist es selbst überlassen, wie intensiv oder auf welche Kommunikationsweise er oder sie die Schule nutzen möchte. Die Street Art School ist ein Angebot sich zu vernetzen und zu lernen – kein Zwang.

jurassic-world-dinosaurier-urban-art-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

Aber fangen wir mal von vorne an. Nämlich bei der Gründung im Frühjahr 2015. Ja, die Schule ist noch recht jung. Und eigentlich ist sie schon Monate vor der Eröffnung aus einem egoistischen Vorhaben hervorgegangen. Denn Gründer Olaf Terhorst, der hauptberuflich übrigens Unternehmensberater ist und selbst keine Kunst auf die Straße bringt, wohl aber welche für seine eigenen vier Wände macht, war auf der Suche nach einem Atelier, um sich mal so richtig künstlerisch austoben zu können. Ateliers sind nicht eben sooooo günstig. Und zeitgleich erfuhr er, dass in der Rindermarkthalle, die damals in der Planung war, Räumlichkeiten zum Selbstkostenpreis an soziokulturelle Projekte vermietet werden sollten. Soziokulturelle Projekte? Hä? Aber Moment! Terhorst kam da eine Idee: wie wäre es denn, wenn er sich sein Atelier nicht nur mit anderen Künstlern teilen, sondern gleichzeitig einen Platz für Streetartists schaffen würde, wo man sich austauschen und gegenseitig vernetzen und fördern könnte? Wäre das dann ein soziokulturelles Projekt, das den Anforderungen der Stadt entsprechen würde? Terhorst wühlte sich durch den ganzen administrativen Kram und wuppte Bürokratieberge. Das Fazit: er bekam den Raum, die Street Art School ward geboren.

20170201_164444.jpg

So einfach ging das natürlich nicht, aber wer interessiert sich schon für Bürokratiedetails? 😉 Und es sollte auch noch eine ganze Weile dauern, bis die Schule eröffnen konnte. Aber im Spätfrühling 2015 war es dann endlich so weit. Wer als Streetartist wollte, konnte sich fortan in der Rindermarkthalle vernetzen. Aber nicht nur das. Auch Neulinge waren und sind seitdem immer herzlich willkommen. Mittwochs und samstags gibt es ein offenes Atelier. Da kann jeder Interessierte vorbeikommen. Man kann direkt loslegen oder aber sich einfach auch nur über Streetart informieren. So wie ich zum Beispiel.

graffiti-sprayplatz-cans-arbeitsplatz-kunstler-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

Was habe ich doch gestaunt! Nicht nur über die grandiose Sprühfläche und den enormen Abluftschlauch, sondern auch über die Vielfalt der Materialien und vor allem über die offene Art der anwesenden Artists. Sobald man sagt, dass man sich für Kunst im Öffentlichen Raum interessiert, dass man sie wunderschön findet und täglich mit großer Freude immer neue Sachen auf der Straße entdeckt, fangen die Augen an zu leuchten und es gibt reichlich Gesprächsstoff.

urban-art-mitmachen-collabo-gemeinschaftsprojekt-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

Immer wieder gerne wird vor allem ein Thema diskutiert: Kunst versus Kommerz. Streetart liegt inzwischen voll im Trend. Nicht wenige Künstler bringen ihre Werke nicht nur auf die Straße, sondern auch in Galerien. Einige Künstler sorgen sich, dass junge Menschen in die Schule kommen könnten, die eigentlich gar nichts für die Straße machen wollen, sondern ausschließlich auf Geld aus sind und nur in Galerien ausstellen wollen. Also kommen sie in die Rindermarkthalle, lassen sich die Techniken beibringen und machen dann nur noch in Kommerz. Genau das soll ja nicht so sein. Streetartist ist kein Beruf, sondern eine Einstellung. Geld spielt da eine absolut untergeordnete Rolle.

hkdns-junge-stencil-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

lieb-sein-bronko-hkdns-getrocknete-blumen-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

Wobei Geld durchaus auch ein Thema ist. Hier und da mal eine kleine Auftragsarbeit und schon sind die Materialen für die nächsten Straßenprojekte finanziert. Farbe und sonstige Materialien sind ja nicht eben günstig. Obwohl man seinen Bedarf über die Schule vergünstigt einkaufen kann, wenn man denn Mitglied ist. Denn die Street Art School Hamburg hat natürlich einen Trägerverein, der sich um alles kümmert und von A bis Z organisiert – seien es nun Materialien, die Aufteilung der Atelierzeit für einzelne Künstler (inzwischen haben 20 Artists ihre eigenen Zeiten), Workshop-Planungen, die Organisation des Sommerfestes oder aber die Planung von Straßenkunstrundgängen. Die Schule hat eine Menge zu bieten – und der Trägerverein damit auch eine Menge zu tun.

logo-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

kleine-kunstwerke-street-art-school-hamburg-streetart-elbgangerin

Natürlich kann man in dem Verein auch jederzeit Mitglied werden – zu sehr überschaubaren Gebühren. Das geht übrigens auch, wenn man nicht selbst gestalten, sondern Streetart einfach nur fördern will. 😉 Schaut euch halt einfach mal an, was die Street Art School seinen Mitgliedern so alles zu bieten hat: *klick* Ach ja, und weil ich als noch recht frische Streetart-Liebhaberin die Intentionen der Schule bei Weitem nicht so gut zusammenfassen kann, wie die Damen und Herren Künstler selbst, möchte ich euch noch auf das wirklich sehr lesenswerte Maniflex (halt so flexibel wie Streetart selbst ^^) der Schule verweisen. Aber ich warne euch: spätestens nach dieser Lektüre werdet ihr ernsthaft in Streetart verknallt sein. 😉

Advertisements

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anne sagt:

    Schön, dass Du dort warst! 🙂 Danke für den Artikel! Klasse, sie endlich mal von innen zu sehen! Wollte schon immer mal wissen, wie es da drin aussieht. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Elbgängerin sagt:

      Schön, dass dir der Beitrag gefällt. Ich kann dir einen Besuch echt nur empfehlen. Ich habe mir auch schon fest vorgenommen, dieses Jahr das Sommerfest der Schule zu besuchen. Und einen Streetart-Rundgang mitzumachen. 😀

      Gefällt 1 Person

      1. Anne sagt:

        Mal sehen. 🙂

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s