Liebeserklärung an das Hamburger Schietwetter

Seit ein paar Tagen ist es wieder soweit. In Hamburg hat das Nationalgrau den Himmel erobert. Tristes Licht, alles ist ein wenig dunkel. Und natürlich regnet es auch. Obwohl … so richtiger Regen ist das ja nicht, was da vom Himmel kommt. Da muss ich einer Freundin zustimmen, die vor ein paar Tagen anmerkte, dass es in Hamburg ja kaum regnen würde. Recht hat sie. Denn meistens nieselt es hier ja eher. So richtig dicke Tropfen kommen nur selten vom Himmel. Und wenn, dann auch nur kurz. Was es aber wirklich, wirklich häufig hier gibt: Sprühregen in allen nur denklichen Variationen. Und wisst ihr was? Ich liebe dieses Schietwetter!

Bei Schietwetter ist ein Regenschirm vergebene Liebesmüh. Es windet, es weht. Die Nässe kommt eh durch. Wem es zu ungemütlich wird, der setzt halt eine Mütze auf. Ich eskaliere da auch ab und zu und nutze die Kapuze meines Mantels. 😉 Wer bei Schietwetter trotzdem mit einem Schirm durch die Gegend rennt, ist entweder sehr alt oder aber ein Tourist. Da weiß man als hier Lebender doch gleich, um wem man sich im Zweifelsfall kümmern kann. Ist doch toll.

Alles eine Frage der Perspektive

Noch toller ist es aber, bei Schietwetter spazieren zu gehen. Selbst an den beliebtesten Elbwegen hat man dann nämlich seine Ruhe. Und wenn man schön eingemummelt und die Jacke auch noch Wasserdicht ist, ist es auch gar nicht ungemütlich. Im Gegegenteil. Mich macht ein vollgenieseltes Gesicht zum Beispiel immer besonders wach und munter. Ich habe dann immer das Gefühl, dem Draußen besonders gut getrotzt zu haben. Bei Schietwetter ist die Stadt aber generell etwas leerer. Man möchte ja meinen, dass die Geschäfte dafür überfüllt sind. Oder die Cafés. Das ist aber nur bedingt der Fall. Man muss ja auch erst einmal hinkommen. Wenn man sich als Schietwetterliebhaber dann Läden in Fußgängerzonen aussucht, ist man quasi immer auf der sicheren Seite und kann in Ruhe shoppen. Schöne Sache, das.

Zugegeben, das Leben an sich wird bei Schietwetter schon ein wenig grauer und dunkler. Aber bei all dem Grau fällt einem die bunte Streetart noch viel besser auf. Ihr seht: alles eine Frage der Perspektive. 😉 Selbiges gilt auch für die Lampen, die man bei Schietwetter früher anmachen muss. Da lautet meine Devise nämlich häufig: Kerzen statt Lampen. Und schon wird es urgemütlich und sogar romantisch.

Einfach mal die Seele baumeln lassen

Das Beste am Schietwetter ist aber, wenn man nach Hause kommt und sich einmuckeln kann. Eine Tasse Tee oder Kaffee oder vielleicht sogar ein Kakao. Und dann rauf aufs Sofa und in die Lieblingsdecke einkuscheln. Vielleicht noch ein wenig Musik? Oder ein gutes Buch? Mal ehrlich: man weiß sein Zuhause bei Schietwetter einfach viel mehr zu schätzen. Toll finde ich aber auch das Schietwetter mit Ansage. Also wenn man beim Aufstehen bereits weiß, dass das mit dem Wetter heute nichts wird. Idealerweise an einem Sonntag, wenn man am Samstag schon was unternommen hat. Und man dann beschließt, einfach mal einen faulen Tag in den eigenen vier Wänden zu verbringen. So mit ausgiebigem Frühstück, ein paar Serienfolgen oder einem oder mehreren Filmen. Hauptsache man hat Kuschelklamotten an und kann ordentlich rumgammeln. Pure Lebenszeitverschwendung, aber absoluter Seelenbalsam.

Genau so haben mein liebster Elbläufer und ich den gestrigen Tag verbracht. Es war einfach herrlich! Durch die Fenster habe ich mir das Schietwetter dann aber doch immer mal wieder gerne angeschaut. Auf ihre Art ist diese Wettertristesse halt einfach schön. Das Schietwetter soll uns ja in den nächsten Tagen erhalten bleiben. Falls ihr damit nichts anfangen könnt, hoffe ich, dass ihr trotzdem das Beste daraus macht Und jetzt entschuldigt mich bitte. Es fängt gerade wieder an zu nieseln. Höchste Zeit für mich, mal kurz an die Elbe zu gehen … 🙂

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. ellen sagt:

    Absolute Steigerung bei Schietwetter: auf dem Fahrrad einnieseln lassen- Gesichtskosmetik vom Feinsten 👌 😉
    💌🙋

    Gefällt 1 Person

    1. Elbgängerin sagt:

      Stimmt! Das ist dann natürlich die Schietwetterkönigsklasse! 😄 Hatte ich als Fußgängerin jetzt nicht so aufm Schirm. 😉

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  2. Ich als gebürtiger Bielefelder kenne das einfach nur als „Wetter“. Wenn es mal nicht regnet, ist das gleich ne Dürreperiode. 🙂 – Wenn es von allen Seiten dünn und fein vom Himmel kommt, stehe ich gerne abends auf unserem großen Balkon und genieß die Luft. Herrlich zum runterfahren und genau das Richtige, nach einem stressigen Tag.

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    1. Elbgängerin sagt:

      Okay, in Sachen Wetterzustandsbezeichnung scheint es echte regionale Unterschiede zu geben. 😉 Aber mit deinem Runterfahrbalkonritual beweist du, dass du voll und ganz schietwettertauglich bist. 😊

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      1. Womit dem nächsten Hamburg-Besuch nichts im Wege steht. 🙂

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