Some | Time: Ausstellung von Marshal Arts im Oberfett

Kann man Streetart auch in einer Galerie bringen, ohne dass sie ihre Wirkung oder gar ihre Bedeutung verliert? Jepp, kann man. Das beweist derzeit zumindest die Ausstellung Some | Time im Oberfett in Altona, wo seit gestern die Werke des Stencil-Künstlers Marshal Arts zu bewundern sind.

Die Paste-Ups von Marshal Arts fallen in Hamburg auf: ob nun Kinderfiguren, Maskenmenschen, Tänzer in eigenwilligen Posen oder das legendäre Selfie-Girl („Ego-Shooter“), auf deren Stick eine Waffe statt eines Smartphones angebracht ist. Wer schon mal durch die Schanze, St. Pauli oder das Karoviertel gelaufen ist, hat garantiert mindestens eine Stencil-Arbeit des gebürtigen Chilenen gesehen. Seine Arbeiten sind vielfältig. Mal verspielt, mal gesellschaftskritisch, handwerklich immer auf hohem Niveau. Da war es nur eine Frage der Zeit, dass Kunstkenner auf sie aufmerksam werden. So auch Christian Pfaff, dem das Oberfett, das seines Zeichens Schreibwerkstatt, Kunstort und interdisziplinärer Schauraum ist, gehört.

Pfaffs erste Begegnung mit den Werken von Marshal Arts fand – wie sollte es auch anders sein – auf der Straße statt. Nämlich mit „Poor Dog“, von welchem er aufgrund der politischen Aussage und der hochwertigen Schablonenmachart zuerst dachte, dass es ein Banksy sei. Hier mal die Innenraumversion des Stencils:

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Als zweites Bild flashte Pfaff der „Ego-Shooter“. Hier links im Bild zu sehen:

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Keine Frage, Pfaff wollte unbedingt mit Marshal Arts zusammenarbeiten und ihn im Oberfett ausstellen, wie er in seiner Ansprache zur Vernissage-Eröffnung gestern verriet. Der Künstler, der anonym bleiben will, willigte ein – und so ward die Idee zur Ausstellung Some | Time geboren. Doch wie bringt man denn nun Streetart in eine Galerie, ohne dass sie dadurch zu glatt, beliebig und kommerziell wird? Eine Lösung fand sich schnell: sämtliche Stencils sollten nicht auf Leinwand gesprayt werden. Was folgte, war ein Suchmarathon auf Schrottplätzen, damit genügend Bretter und Bohlen gefunden wurden, die die Leinwand ersetzen sollten. Sogar eine Schwerlastkiste wurde verwertet.

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Außerdem sollten die Bilder nicht einfach nur an der Wand hängen. Pfaff und Marshal Arts wollten Gerüstbohlen als Untergrund. Daran wäre das Projekt fast gescheitert, denn alleine die Leihgebühr sollte 1.500 Euro betragen – eine Summe, die eine derart kleine Galerie nicht einfach so ausgeben kann. Zum Glück sprang die Möbeldesignerin Anna Anderson ein. Da sie für ihre Möbel unter anderem auch Gerüstbohlen verarbeitet, konnte sie diese einfach kostenlos für die Ausstellung verleihen. Eine wirklich tolle Aktion!

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Dank der besonderen Bild- und Hintergrundmaterialien wirken die Stencils von Marshal Arts zwar anders als auf der Straße, wo sie ja auch immer im Kontext zu ihrer Umgebung stehen, verlieren aber nicht das Besondere, das sie auszeichnet. Ich konnte mich an einigen Bildern jedenfalls nicht sattsehen. Den anderen Vernissage-Besuchern ging es ähnlich. Im proppenvollen Oberfett musste man manchmal schon etwas Geduld aufbringen, um sich ein Werk mal aus der Nähe anschauen zu können. Das Warten hat sich aber gelohnt, denn wohin ich auch schaute: überall sah ich begeisterte Gesichter.

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Falls ihr jetzt neugierig geworden seid: die Ausstellung Some | Time läuft noch bis zum 14. März 2017 im Oberfett. Ich kann euch einen Besuch nur wärmsten empfehlen. Hier die genauen Besucherinformationen:

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Maren Wulf sagt:

    Die Hinter- und Untergründe sind wirklich eine tolle Präsentationsidee.

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    1. Elbgängerin sagt:

      Absolut! Gibt ne ganz eigene Dynamik dadurch. Das ist wirklich gut durchdacht.

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  2. ellen sagt:

    Wahnsinn..das würde ich mir gern selbst hinhängen..tolle Kunst!

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    1. Elbgängerin sagt:

      Ich stand auch sabbernd vor einigen Bildern und hätte sie am liebsten direkt mitgenommen. 😉

      Gefällt 1 Person

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