Geplanter Abriss vor einem Jahr, doch das Blaue Barhaus steht und steht und steht

Es ist ein Paradebeispiel für diese Immobilienwunschblüten in Ottensen: das Blaue Barhaus in der Großen Brunnenstraße. Vor fast genau einem Jahr musste meine Lieblingscocktailbar schließen, denn das Gebäude sollte einem vierstöckigen Wohnhaus weichen. Passiert ist bisher allerdings noch nichts, denn es scheint wohl nach wie vor Probleme mit dem Bauantrag zu geben.

Jedes Mal, wenn ich an dem geschlossenen Blauen Barhaus vorbeilaufe, blutet mir das Herz. Ob nun ein gemütlicher Cocktail mit Freunden (im Sommer auch gerne draußen an der Straße geschlürft), weil man sich einfach mal wieder treffen will oder aber der Hardcore-Notfallcocktail nach einem wirklich, wirklich harten Tag – das Blaue Barhaus war immer für mich da. Und wenn es mal ganz hart kam und ich einen Zombie bestellte, dann wurde mir mitleidsvoll der Arm gedrückt oder der Rücken kurz gestreichelt. Denn Zombie hieß im Blauen Barhaus immer, dass eine echt miese Nachricht mit Alkohol bekämpft werden musste. Den Zuspruch gab es quasi gratis dazu. Menschlich ganz groß. Ja, so eine Bar war das für mich.

Und dann erst die Atmosphäre! Leicht versifft aber urgemütlich. Man konnte seine Ruhe oder aber ganz viel Spaß haben. Gute Musik inklusive. Kurzum: ein Alltagsanker. Und das nicht nur für mich. Schließlich gab es das Blaue Barhaus 22 alkoholgetränkte Jahre lang. Ein Ottenser Urgestein eben.

Das Ende warf seine Schatten voraus

Dass irgendwann Schluss sein würde, wusste ich schon vor meinem ersten Besuch vor fünf Jahren. Schon damals wurde der Pachtvertrag immer nur für ein Jahr verlängert. Der Hausbesitzer hatte halt Pläne. Und zwar die üblichen Pläne, die Ottensen immer mehr die Seele nehmen: das kleine Haus sollte weichen und einem viergeschossigen Wohnhaus Platz machen. Schicke Wohnungen für schicke Leute mit einem schicken Guthaben auf dem Konto. Aufwertung und so. Und natürlich Profit ohne Ende.

Im März 2016 verkündete das Blaue Barhaus das endgültige Aus. Bereits Ende des Monats sollte Schluss sein. Dann kam die kurze Gnadenfrist: der Bauantrag wurde in der Altonaer Bezirksversammlung abgelehnt. Es ging also noch mal einen Monat weiter. Am 30. April 2016 gab es dann aber wirklich die finale Abschiedsparty. Bereits am nächsten Morgen war die Bar komplett leergeräumt. Der Vermieter wollte das so.

Was die Eile sollte? Keine Ahnung. Denn getan hat sich bis jetzt noch immer nichts. Das Haus steht und steht und steht. Für mich ist das so, als würde ich einer Leiche dabei zuschauen, wie sie verwest. Kein schönes Gefühl. Manchmal nehme ich das Haus aber auch als Mahnmal wahr. Als etwas, das für das alte Ottensen steht, mit seiner linken Szene, dem Prekariat, den Künstlern, den helfenden Nachbarn. Das schmuddelige und bunte und vielfältige Ottensen eben, das immer mehr dem Hochglanzschick der Hipster weichen muss. Eine echte Schande ist das.

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christiane sagt:

    Ja. Jajajajajajajaja. Punkt.
    (Ich war nie drin, aber Ottensen, ach.)

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    1. Elbgängerin sagt:

      Oh, da hast du was verpasst, liebe Christiane. Das Blaue Barhaus war wirklich wunderbar. Na ja, und Ottensen geht halt eh immer. Zumindest noch. Der Wandel zu schick und Trends und seelenlos ist inzwischen schon deutlich spürbar, wie ich finde. Ich orientiere mich inzwischen immer öfter Richtung St. Pauli …

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  2. ellen sagt:

    Es geht immer um Profit….leider, immer. Zu schade!

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    1. Elbgängerin sagt:

      Ja, leider. 😦

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