Segeln auf der Elbe ist toll … aber nichts für mich

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Man muss ja nicht immer alles super finden, nur weil es etwas mit Hamburg oder der Elbe zu tun hat. Segeln zum Beispiel.

Eigentlich ist mein geliebter Elbläufer gar kein Elbläufer, sondern ein Elbsegler. Das war er schon lange bevor wir uns kennengelernt haben. So mit eigenem Segelboot – einer kleinen 22-Fuß-Kielyacht – das im Hamburger Yachthafen in Wedel (übrigens dem größten Yachthafen Europas) liegt. In den ersten beiden gemeinsamen Jahren bin ich halt mal ab und zu (also zugegebenermaßen sehr selten) mitgeschippert. Und wurde dabei regelmäßig grün ums verwöhnte Großstadtnäschen. Dieses Geschaukel! Und bevor man die Segel setzen kann, muss man erst einmal den kleinen lauten Stinker namens Außenbootmotor ertragen. Würg. Und hatte ich dieses fiese Schaukeln schon erwähnt? Also es schaukelt. Sehr sogar. Ist ja schließlich ein kleines Segelboot.

Im vergangenen Jahr stand der Seestern (so heißt es) zwecks Wartungsarbeiten komplett an Land. Nun ist das Boot wieder schön und fit und dementsprechend im Wasser. Und weil am vergangenen Sonntag schönes Wetter war, habe ich mich mal tapfer gegeben und bin mit dem Elbsegler zusammen gen Wedel gedüst. Mit im Gepäck: Akupressurbänder, die angeblich wahre Wunder gegen Seekrankheit bewirken sollen. Dementsprechend optimistisch war ich.

Was soll ich sagen? Die Dinger mögen toll sein, haben bei mir aber nicht gewirkt. Mir war nach einer Minute wieder speiübel – und ich hatte noch drei Stunden auf der Elbe vor mir. Herrlich. Ganz und gar nicht. Ich weiß ja, dass man mit so einer Kielyacht nicht umkippen kann. Jedenfalls nicht bei schönem Wetter auf der Elbe. Aber diese ganzen Schräglagen haben mir zusätzlich zu diesem verdammten Geschaukel echt zu schaffen gemacht. Wer sich jetzt über Bootschräglagen wundert: Stichwort Wind. Den braucht man, dem muss man sich schon anpassen, um sich fortbewegen zu können. Es sei denn, man will den kleinen lauten Stinker in Dauerbetrieb haben. Da ist die Schräglage dann doch das kleinere Übel. Irgendwie.

Und dann bin ich halt eine Großstadtpflanze. So lümmelnd am Strand oder mit dem Rad durch die Pampa, das ist ja okay und sogar schön. Aber hey, die Ufer der Elbe sind jetzt nicht sooooo interessant, dass ich sie begeistert zum x-ten Male gerne anstarre. Wenn ich aber segeln muss, dann muss ich aufs Ufer starren. Horizont gegen Seekrankheit fixieren und so. Damit das Frühstück nicht wieder rauskommt. Und so.

Und dann diese Seglergebräuche! Das fängt am Hafen an: ständig muss man grüßen. Auch wenn man nur kurz vorbeihuschen will. Gehört sich da halt so. Und dann muss man sich anstarren lassen. Denn viele Segler fahren vor allem sonntags nicht raus, sondern hocken einfach nur auf ihrem Schiff und trinken Kaffee (wenn die Ehefrau dabei ist) oder ein Bier (wenn der Kumpel mit von der Partie ist). Und glotzen dabei die Nachbarn an. Das ist wie Schrebergarten. Nur halt auf dem Wasser. Ach ja, hat man erst einmal den Hafen verlassen, dann geht das Gegrüße munter weiter. Jedes Mal, wenn ein anderer Segler vorbeischaukelt und in Sichtweite ist, wird die Hand zum Gruße erhoben. Wahnsinnig nett und kameradschaftlich. Aber ich will doch einfach nur meine Ruhe haben, um mich darauf konzentrieren zu können, nicht in die schöne, schöne Elbe zu kotzen!

Ihr merkt: Segeln ist echt nicht so meins. Dabei hätte ich so gerne die Übelkeit erfolgreich bekämpfen wollen, um zusammen mit meinem geliebten Elbsegler seinem Hobby frönen zu können. Aber daraus wird nichts. Ich hatte zwar einmal erholsame fünf Minuten, als wir mal gerade nicht im Zickzack gefahren sind, keine Schräglage hatten, keine Motorboote und auch keine Pötte an uns vorbeigefahren sind (und dank mangelnder Wellenbildung das verdammte Geschaukel ein wenig reduziert wurde), das Wasser einfach nur friedlich schwappte und gluckste und der Wind mir lieblich ums Näschen blies, aber diese fünf Minuten waren leider viel zu schnell vorbei. Aber immerhin: in dieser Zeit konnte ich mich tatsächlich von meinem Panikklammergriff lösen und mal schnell ein paar Fotos für euch machen, bevor die nächste Welle und damit auch die Übelkeit wiederkam. Schön ist die Landschaft ja und so. Wenn man sie das erste Mal sieht. Fünf Minuten reichen einfach nicht, um mich für die Segelei begeistern zu können. Ich liebe meinen Elbsegler. Aber er muss in Zukunft alleine los. Oder halt mit seinen Freunden. Für mich ist mit dem Geschaukel Schluss. Ich muss nun wahrlich nicht alles toll finden, was mit der Elbe zu tun hat.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. ellen sagt:

    Das mit der elendigen Schaukelei kann ich nachfühlen, mir wurde auch schon in einem großen Schiff übel. Das schwankte so sehr, dass ich es nur im eiskalten Wind draußen aushalten konnte.
    Ich nehme lieber ein Paddelboot auf unserem Flüsschen hier.
    LG
    Ellen

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    1. Elbgängerin sagt:

      Demnächst muss ich beruflich mit nem Katamaran rumschippern. Bin schon hart gespannt. In solchen Momenten würde ich ein Flüsschen der Elbe jederzeit vorziehen. 😉

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  2. Das Segeln ist einfach toll und Katamaran ist auch toll, ich liebe das und fühle mich wohl, mein Sohn dagegen mag Schiffe nicht, wegen Schaukelei.

    Schöne Bilder! 🙂

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    1. Elbgängerin sagt:

      So hat halt jeder seine Vorlieben und Abneigungen. Ich kann deinen Sohn gut verstehen. 😉 Du indes solltest dich mit meinem Elbsegler zusammentun. 😉

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  3. Ich bin mal im Schottlandurlaub auf so ne kleine Insel geschippert… mit so nem echt kleinen Böötchen… bäh… zurück bin ich dann mit der großen Fähre. Kein Geschaukel, Magen ruhig, ich glücklich.

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    1. Elbgängerin sagt:

      Ich weiß jetzt nicht, ob sich mein Elbsegler deswegen ne Fähre zulegen würde … 😉 Aber Spaß beiseite: ist bei mir auch so. Je größer das Schiff, desto kleiner die Magenprobleme. Und auf den großen Dingern fühle ich mich auch einfach irgendwie sicherer…

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