The Rabbithole: Nur echt mit Häschen

Cocktailbars gibt’s in Hamburg wie Sand am Meer. Leider sind viele davon dank Piña Colada und Co. bestenfalls Durchschnitt. The Rabbithole in St. Pauli ist da eine wohltuende Ausnahme, denn hier bekommt man nicht nur einen fantastischen Service in gemütlicher Atmosphäre geboten, sondern auch noch mit die besten Cocktails der Stadt. Und außerdem ist der Laden mit Abstand meine Lieblingsbar. Höchste Zeit also, dass ich euch das Rabbithole endlich mal vorstelle.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich das Rabbithole vor ein paar Monaten das erste Mal betrat: Was für eine herrlich edle und trotzdem gemütliche Einrichtung! Mein geliebter Elbsegler und ich haben uns sofort wohl gefühlt. Kaum hatten wir uns in einer der bequem gepolsterten grünen Fenstersitznischen gekuschelt, kam schon die Bedienung und brachte uns neben der Karte auch Wasser und einen Topf mit salzigem Popcorn. Natürlich aufs Haus. Und dann erst die Cocktailkarte! All die übersüßten Mainstreamcocktails à la Tequila Sunrise, Caipirinha und Piña Colada waren einfach nicht drauf. Dafür aber Klassiker, Klassiker mit modernem Twist oder Eigenkreationen, die neugierig machten. Kaum hatten wir bestellt, kamen auch schon die perfektesten Cocktails, die ich jemals getrunken habe. Und dann erst der Service! Unsere Wassergläser waren immer voll, oft bekam ich gar nicht mit, wie der Aschenbecher geleert wurde (jepp, das Rabbithole ist eine Raucherbar – mit einem verdammt guten Belüftungssystem).

Constanze Lay bei der Arbeit
© DJ Little L.

Kurzum: wir blieben vier Stunden. Wobei schon nach den ersten fünfzehn Minuten klar war, dass wir mit dem Rabbithole endlich unsere neue Stammbar gefunden haben und dem Blauen Barhaus in Ottensen (hier meine Trauerrede auf dessen Schließung) nicht mehr nachweinen mussten. Dass ausgerechnet das Rabbithole bei uns die Nachfolge vom Blauen Barhaus angetreten hat, ist übrigens eine vollkommen logische Konsequenz, wie ich inzwischen weiß. Denn Rabbithole-Besitzerin Constanze Lay hat früher mal im Blauen Barhaus gearbeitet. Ihre Cocktailwurzeln liegen da. Wobei noch mächtig viel andere Erfahrung hinzugekommen ist, bevor sie vor gut einem Jahr das Rabbithole aufgemacht hat. So hat sie vorher zum Beispiel das berühmte Clockers in Hamburg aufgebaut – eine der erfolgreichsten Bars in der Stadt. Constanze hat es geliebt, sich dort das Konzept auszudenken. Aber irgendwann war es dann halt mal höchste Zeit für ihre eigene Bar.

Constanze Lay ist eine Meisterin am Shaker
© DJ Little L.

Und jetzt hat sie halt das Rabbithole an der Ecke Kleine Freiheit/Simon-von-Utrecht-Straße, in das sich die Partyleichen vom Kiez (die Reeperbahn ist ja nun wahrlich nicht weit entfernt) nur selten verirren. Das Publikum ist ebenso entspannt wie gesittet – und sehr gemischt. Was aber alle eint, ist die Liebe zu hochwertigem Alkohol. Diesbezüglich ist das Rabbithole eine wahre Goldgrube. Constanze Lay hat sehr hohe Qualitätsansprüche. Schmeckt ihr etwas nicht, schenkt sie es auch nicht aus. Und wenn sie etwas braucht, dass es so auf den Markt nicht gibt, dann macht sie es eben selbst. Bestes Beispiel ist da etwa ihr Schokoladenlikör. Die, die man kaufen kann, waren allesamt nichts für sie, weil sie ihr zu sehr nach Zimt schmeckten. Deswegen setzt sie ihren eigenen Schokolikör an. Aber nicht nur das. Dank ihrer Cold-Drip-Anlage aromatisiert sie viele Spirituosen selbst. Hinter der Bar nehmen die Einmachflaschen mit Eigenkreationen gehörig viel Platz ein – und zwar direkt hinter den Gläsern mit den selbst getrockneten Zitrusfrüchten für die Cocktails. Da paaren sich Kreativität und Liebe zum Detail – was mich jedes Mal wieder begeistert.

Im Rabbithole werden viele Spirituosen selbst veredelt
© DJ Little L.

Noch viel toller finde ich aber, dass Constanze ihr Handwerk echt von der Pieke auf gelernt hat. Wenn ich mich mal nicht entscheiden kann, was ich möchte, gebe ich ihr einfach den Grundalkohol und die ungefähre Geschmacksrichtung (fruchtig, herb etc.) vor. Und sie zaubert mir was. So kann man schon mal einen Abend verbringen. Wobei der Elbsegler und ich neulich das Privileg hatten, Versuchskaninchen spielen zu dürfen, als Constanze an ihrem neuen Hauscocktail mit selbstgemachtem Waldmeistersirup arbeitete. Es war höchst spannend, die unterschiedlichen Cocktails zu probieren und den Fachgesprächen zu lauschen, die Constanze mit ihren Mitarbeitern führte. Inzwischen war ich mit meinem sehr sehr guten Freund DJ Little L., der mir freundlicherweise seine Fotos von unserer Barsession im Rabbithole zur Verfügung gestellt hat, wieder da und habe begeistert festgestellt, dass es jetzt zwei Hauscocktails mit Waldmeister gibt: Rabbit and Hunter sowie Rabbit and Huntress (was dann die Champagner-Variante wäre). Einfach nur göttlich lecker!

Der neue Hauscocktail: Rabbit and Huntress – lecker mit Champagner
© DJ Little L.

Wer sich jetzt übrigens wundert, was das alles mit den Hasen soll (im Rabbithole hängen auch viele Hasenbilder und Hasenmasken und natürlich wird fast jeder Cocktail mit Häschendekoration herausgegeben): Ursprünglich wollte Constanze ihre Bar in Anlehnung an „Alice im Wunderland“ White Rabbit nennen. Aber der Name war – zum Glück – schon vergeben. Deswegen halt The Rabbithole. Die Alice-Anlehnung kann man hier und da noch erahnen. Hinten im Lounge-Bereich (übrigens der perfekte Ort, um Constanzes Zigarren-Menü zu genießen! Und dank der Vorhänge, die man dort zuziehen kann, wabern auch keine Zigarrenrauschschwaben durch den Rest der Bar) sind die Lampen zum Beispiel in Hutform gestaltet. Aber generell ist das Hasen-Thema dann doch freier interpretierbar. Das Rabbithole ist nämlich so ein waschechter Hasenbau für Menschen, wo man Unterschlupf finden und die Zeit vergessen kann. Ich mache genau das inzwischen regelmäßig da – und bin jedes Mal wieder begeistert, mit wieviel Leidenschaft und Liebe zum Detail Constanze ihre Bar führt.

In der hinteren Lounge findet man dank Hutlampen und Hasenmasken noch einen Hauch von „Alice im Wunderland“
© DJ Little L.

Hach, ich könnte jetzt noch ewig weiterschwärmen, wie toll das Rabbithole ist. Aber am besten, ihr überzeugt euch einfach mal selbst. Ende August/Anfang September wird übrigens die Karte wechseln. Und zwar komplett. Constanze hatte zuerst überlegt, ein paar der beliebtesten Cocktails von der aktuellen Karte zu behalten, entschied sich aber dann dagegen. Sie möchte nicht, dass sich ihre Gäste ans Altbekannte klammern, sondern ruhig mal etwas Neues ausprobieren. Falls ihr es vorm Kartenwechsel in den Hasenbau schafft, müsst ihr unbedingt mal den Cardamom Collins (super frisch und fruchtig) oder den French Rabbit (mit Lavendelschaum!) probieren. Oder ihr macht euch gleich an den schokoladig-rauchigen Nachtisch in Cocktailform und probiert Vienna in Ashes. Oder … oder … oder. Denn eigentlich sind dort alle Cocktails verdammt lecker. Also, nix wie auf ins Rabbithole!

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