Streetart: Neue Stencils von Rumo

Passend zu G20 – und natürlich dem Protest drum herum, hat sich der Streetartist Rumo nicht lumpen lassen. Er hat ein paar neue Stencil-Motive auf die Straßen von Ottensen gebracht, die wirklich tief unter die Haut gehen.

Als ich anfing, mich für Streetart zu interessieren, habe ich schon einmal über Rumo gebloggt. Dieser Beitrag ist mir inzwischen ein wenig peinlich, denn er beweist, wie wenig Ahnung ich damals hatte. Gut, eine Kennerin bin ich jetzt auch noch nicht. Noch lange nicht. Aber jetzt weiß ich das wenigstens. 😉 Egal. Mit Rumo hat meine Streetart-Liebe angefangen. Deswegen geht mir immer das Herz auf, wenn ich neue Arbeiten von ihm entdecke. Was meistens in Ottensen der Fall. Hier passen seine meist sozial- und gesellschaftskritischen oder auch politischen Sachen halt auch prima hin.

Ich wusste schon dank zahlreicher Instagram-Fotos, dass Rumo wieder sehr aktiv war in den letzten paar Wochen. Vergangenen Samstag hatte ich dann endlich mal Zeit, durch die Straßen zu ziehen. Und wurde mit drei wirklich außergewöhnlichen Arbeiten belohnt.

Fangen wir doch einfach mal mit dem hier an:

Bäm, da ist gleich alles drin. Der kleine unschuldige Engel wird von allen Seiten platt gemacht: Polizei, Militär, Autonome. Und hey, mit ein wenig Fantasie kann man die Machete auch noch mit Islamisten in Verbindung bringen. Dadurch wäre natürlich eine Lesart, dass der christliche Glaube gemeuchelt wird. Aber ich bin mir sicher, dass das nicht die Aussage des Bildes ist. Das wäre zu platt und plakativ und würde dementsprechend nicht zu Rumo passen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Militär-Heinis dann keinen Sinn ergeben würden, weil sie ja auch auf das kleine Engelchen zielen. Meine Lesart ist eher, dass Gewalt und Hass immer – wirklich IMMER – die Unschuld töten. Wo Hass und Gewalt regieren, kann nichts Gutes gedeihen. Mich hat es kräftig im Inneren geschüttelt, als ich die Arbeit auf der Straße gesehen habe. Und eigentlich schüttelt es mich immer noch. Willkommen in dieser Welt, kleiner Engel.

Nicht weniger aussagekräftig aber mit doch mehr offensichtlichem Humor kann dieses Paste-Up aufwarten:

Ein Punk und zwei Polizisten in voller Montur auf einem Karussell. Mögen die G20-Spiele beginnen! Ungefähr so wird es Anfang Juli hier in Hamburg wohl wirklich aussehen. Nur dass dann nicht nur Punks mit aufs Karussell steigen, sondern auch viele, viele andere politisch gesinnte Mitbürger. Wobei die Spielfolklore zwischen Polizei und Linksautonomen hier in Hamburg dank Roter Flora und Co. ja eh schon Tradition hat. Manchmal halten sich beide Seiten an die Spielregeln, manchmal nicht. Wie es beim G20-Treffen wohl sein wird?

Und hier dann noch mein neues Lieblingsstencil von Rumo:

Ganz unverkennbar handelt es sich hier um den im türkischen Knast sitzenden Journalisten Deniz Yücel. Dafür erst einmal ein dickes Danke an Rumo! Dieser Freiheitsberaubungsskandal gehört immer und wieder öffentlich diskutiert und auf die Straße gebracht. Dementsprechend toll fand ich es, dass ich das Paste-Up gleich mehrmals auf meiner Runde durch Ottensen gesehen habe. Die Botschaft ist klar herauslesbar. Besonders fein finde ich die Aufforderung, zwischen den Zeilen zu lesen. Wahrheit, Freiheit, Liebe, Mut, Gerechtigkeit, Hoffnung, Leben, Frieden, Kritik. Steht alles für sich selbst. Eine ganz, ganz klare Kunstbotschaft, die man mit nur einem Blick voll erfasst. Ich persönlich finde das bei solchen politischen Arbeiten übrigens auch sehr wichtig. Nicht jeder bleibt stehen und guckt in Ruhe. Kommt die Botschaft sofort an, kann sie auch noch wirken, wenn man die Kunst nicht mehr sieht – sie hat dann schon längst einen Abdruck im Gemüt hinterlassen.

In Ottensen muss auch noch irgendwo ein Paste-Up kleben, auf dem ein Polizist in voller Kampfmontur kniend einem überdimensional großem Schlagstock (der an ein aufgestelltes Kreuz erinnert – mit schönen Grüßen von Jesus) huldigt. Leider habe ich diese Arbeit noch nicht entdeckt. Falls jemand von euch sie schon gesehen haben sollte … ich bin für jeden Tipp dankbar. 🙂 Aber dankbar bin ich eh. Nämlich dem großartigen Streetartist Rumo. Weil er unsere Straßen nicht nur mit Kunst bereichert, sondern weil er uns politische Denkanstöße gibt; weil er nicht glatt und gefällig ist; weil seine Kunst da anfängt, wo die Alltagskomfortzone endet; weil er unbequem ist. Und ja, weil er ein verdammt guter Künstler ist. Himmel! Guckt euch doch nur mal an, wie fein die Schablonen gearbeitet sind! Wie sauber da die Ausführung ist! Der Mann hat es halt einfach drauf. Oder die Frau. Keine Ahnung, ob Rumo männlich oder weiblich ist. Ist mir ehrlich gesagt auch egal. Hauptsache, er oder sie macht noch lange, lange genau so weiter! Applaus!

Nachtrag vom 17. Juni: Inzwischen habe ich das Schlagstock-Stencil dank eines Hinweises von Rumo selbst gefunden:

 

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