MenscHHen #8: Mein Mann, der Hummelretter

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Seit ein paar Wochen haben wir ein paar Lavendeltöpfe an der Brüstung unseres Balkons hängen. Sieht schön aus. Riecht auch schön. Und man ist nie allein. Denn von Anfang an tummelten sich da munter ein paar junge Hummeln herum. Als tiefverwurzeltes Großstadtwesen war mir so viel natürliche Natur zuerst nicht so geheuer. Dieses ganze Gebrumme dicht an meinem Ohr! Doch mein liebster Elbsegler fand schnell ebenso beruhigende wie wirksame Worte für mich. Dass Hummeln doch harmlos seien, sagte er; dass sie doch nur Nektar sammeln, meinte er; dass sie mich nicht stören, wenn ich sie nicht störe; versprach er mir. Und so führten die Hummeln und ich eine friedliche Koexistenz.

Bis vergangenen Sonntag. Als ich da nämlich morgens auf den Balkon ging, um genüsslich eine zu rauchen (Kinder: nicht nachmachen! Erwachsene: jaaaaaaa doch, ich weiß), hockte eine der inzwischen groß und fett gewordenen Hummeln auf dem kalten Betonboden. Zuerst dachte ich, dass sie tot ist. Aber dann rührte sie sich. Schwach. Ich lief sofort rein und informierte meinen geliebten Elbsegler. Gemeinsam gingen wir wieder raus und bewerteten die Lage. Also er bewertete. Ich dachte, dass man da nix mehr machen kann und war ein wenig traurig. Mein geliebter Elbsegler gibt zum Glück nicht ganz so schnell auf. Niemals.

Hummelbeobachtungsmission

Er ging rein und in die Küche, nahm ein Stück Alufolie und träufelte etwas Honig drauf. Zurück auf dem Balkon, schob er behutsam die Hummel auf die Alufolie, rückte einen Stuhl in die Sonne und legte die Hummelhonigalufolie vorsichtig darauf. Ich guckte ihn ratlos an. „Die ist unterkühlt. Jetzt taut sie in der Sonne erst einmal auf und kann sich dank Honig stärken. Sobald sie wieder auf Temperatur ist und gefuttert hat, fliegt sie bestimmt davon.“ Ich fand seine Zuversicht bewundernswert.

Vorsorglich wollte ich die Hummel aber beobachten. Also setzte ich mich auf den anderen Stuhl und rauchte endlich meine Zigarette (jaaaaa doch), während ich ununterbrochen die Hummel anstarrte. Zuerst ruderte sie nur hilflos mit ihren Beinchen in der Gegend rum. Bis sie den Honig fand. Und dann saugte sie und saugte. Und pumpte und pumpte.

Selbstverständliche Rettungsaktion

Ich peste rein und meinte panisch, dass die Hummel zucken würde. „Die zuckt nicht, die bringt ihren Kreislauf in Gang“, war die lässige Antwort meines geliebten Elbseglers. Ich also wieder raus auf meinen Beobachtungsposten. Und tatsächlich. Die Hummel krabbelte schon sicher herum. Und pumpte und pumpte. Und dann schüttelte sie sich und flog davon. Einfach so. Als ob nichts gewesen wäre.

Ich war tief beeindruckt. Von der Kraft dieses kleinen Geschöpfes. Und von der selbstverständlichen und gelassenen Hilfe meines geliebten Elbseglers. Machen wir uns nichts vor: er hat dieser Hummel das Leben gerettet. Solange es Menschen gibt, die sich auch um die kleinsten Geschöpfe in unserer Welt derart selbstverständlich kümmern, ist doch wirklich alles noch in Ordnung. Oder?

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. ellen sagt:

    🙂 ich bin auch tief beeindruckt.

    Gefällt 1 Person

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