Feierabendkonzert im Oberhafenquartier

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Dass klassische Musik nicht immer abendfüllend und steif und borniert sein muss, beweisen die Feierabendkonzerte, die einmal im Monat vom Kammerkunstverein im Oberhafen veranstaltet werden.

Klassik an sich ist ja schon so eine Sache für sich. Mal ganz abgesehen von ihrem elitären Ruf (den sie meiner Meinung nach ja ganz unverdient aufgedrückt bekommen hat), muss die klassische Musik noch mit ein paar mehr Vorurteilen kämpfen, die leider oft tatsächlich noch eine Selbstverständlichkeit sind. Für ein Klassikkonzert muss man sich bitteschön schick machen und sein bestes Benehmen an den Tag legen, denn hier ist alles ein gehöriges Schippchen (möchtegern)elitärer und (pseudo)intellektueller. Man muss sich, noch bitteschöner, auch ordentlich auf eine Veranstaltung vorbereiten, denn schließlich sollte man sich schon mit den Künstlern und auch mit den Komponisten auskennen, um während der (oft klugscheißenden) Pausengespräche mitreden zu können. Und dann dauert so ein Konzert natürlich auch den ganzen Abend. Sonst wäre es ja schließlich kein Konzert, oder?

Klassik im Oberhafenquartier

Falsch, falsch, falsch! Klassik kann nämlich auch ganz locker und natürlich und kurzweilig und ungezwungen daherkommen. Man hat halt nur leider sehr selten die Gelegenheit, das so zu erfahren, weil die steifen Veranstaltungen nun mal die Regel sind. Eine wohltuende Ausnahme eben jener Regel sind die Feierabendkonzerte, die monatlich in Halle 24 im Oberhafenquartier vom Kammerkunstverein veranstaltet werden.

Das Konzept ist so einfach wie innovativ: ein kleines Ensemble trägt ein kleines Programm vor. Vorweg und währenddessen kann man sich an der Bar ein Getränk organisieren und genießen. Und wer direkt von der Arbeit kommt, kann sich auch noch eine Kleinigkeit zu Essen kaufen (selbstgemachte Suppe im Winter, Butterbrote im Sommer). Ab 17 Uhr ist Einlass, um 18 Uhr geht’s los (inklusive einer kleiner Einführung zu den Komponisten sowie den Werken, die gespielt werden – man muss also vorher nicht aufwendig recherchieren) und um 19 Uhr ist das Konzert dann auch schon wieder vorbei. Wer möchte, kann dann gerne noch ein Stündchen bleiben und bei Bier und Wein mit den Sitznachbarn oder aber den Künstlern quatschen. Man kann aber auch einfach gehen.

Feierabendkonzerte: Yoga fürs Gemüt

Bis vor Kurzem waren die Feierabendkonzerte noch ein Geheimtipp. Da kamen meistens immer nur so um 50 Konzertbesucher, wobei die Halle 24 aber Platz für 199 Stühle hat. Inzwischen hat sich die Veranstaltung jedoch herumgesprochen. Vergangenen Mittwoch waren exakt 201 Menschen da, um Juditha Haeberlin (Violine) und Franck-Thomas Link (Klavier) zu lauschen, die die drei Romanzen von Robert Schumann und eine Sonate für Geige und Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy spielten.

Musikalisch war das Konzert eine runde Sache. Ab und zu ging vielleicht mal eine Kleinigkeit daneben oder wurde etwas unsauber gespielt, aber das ist jetzt wirklich Meckerei auf verdammt hohem Niveau, denn den meisten Zuhörern dürfte das gar nicht aufgefallen sein. Außerdem waren die Interpretationen derart schön und emotional, dass ihnen Perfektion eh den Seelenatem genommen hätte. Ich jedenfalls wurde dank der intimen und vor allem locker-gelösten Atmosphäre derart schnell und intensiv in die Musik hineingezogen, dass die Musizierstunde wie im Flug verging. Und das Beste: nach einem wirklich stressigen Arbeitstag sind diese Feierabendkonzerte wirklich perfekt, um runterzukommen. Wobei man danach immer noch was vom Abend hat. Es ist quasi so was wie Yoga fürs Gemüt.

Von der tollen Atmosphäre in der Halle 24 und im Oberhafen allgemein, fange ich jetzt gar nicht erst an zu schwärmen. Es ist einfach super entspannt und zwanglos da. Ach ja, und für den kleinen Geldbeutel sind die Feierabendkonzerte auch noch geeignet. Im Vorverkauf kostet ein Ticket neun Euro, an der Abendkasse dann zwölf Euro. Das nächste Konzert findet übrigens am 12. Juli statt. Dann wird vierhändig am Klavier Mozart gespielt.

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