„Der Ghetto Swinger“ kehrt zurück an die Hamburger Kammerspiele

Als ich gelesen habe, dass das Stück „Der Ghetto Swinger“ von Kai Ivo Baulitz und Gil Mehmert vom 30 Mai bis zum 16. Juni wieder in Hamburg zu sehen ist, war meine Freude riesengroß. Und ich erkläre euch auch, warum.

 

Ähm, ein Musical über einen jüdischen Musiker, der den Holocaust überlebte? Geht das? Ja. Das geht. Und wie. Musical ist nämlich nicht immer leicht und fluffig und pure Unterhaltung. Denn Musical kann ebenso vielfältig und abgründig sein wie jede andere Bühnenform. Nur leider sieht man das in Deutschland viel zu selten. Weil die Masse halt gerne fluffig und unterhaltsam möchte. Deswegen trauen sich nur wenige Theater, auch mal andere Musicalformen auf die Bühne zu bringen.

Der Ghetto Swinger © Hamburger Kammerspiele/Bo Lahola

Aus dem Leben des Jazzmusikers Coco Schumann

Eine dieser Ausnahmen sind die Hamburger Kammerspiele. Dort wurde das Stück „Der Ghetto Swinger“ bereits 2012 uraufgeführt. Damals war Heinz Jacob „Coco“ Schumann höchst persönlich anwesend. Denn um ihn geht es in dem Musical schließlich: Coco Schumann, den legendären Berliner Jazzmusiker, der in den 30er-Jahren zu den Swing Kids gehörte, der Anfang der 1940er-Jahre ins Ghetto Theresienstadt gezwungen wurde, wo er sich den Ghetto Swingers anschloss, mit denen er 1944 ins KZ Ausschwitz-Birkenau deportiert wurde. 16 Mitglieder hatte die Band. Nur drei überlebten den Holocaust.

Einer von ihnen war Coco Schumann, der nach Ausschwitz auch das KZ Dachau überlebte, von wo aus er im April 1945 sogar noch den Todesmarsch Richtung Innsbruck antreten musste. Den er auch überlebte. Weil amerikanische Soldaten ihn endlich befreiten. Und dann kehrte Coco Schumann nach Berlin zurück. Und machte Musik. Und zog vier Jahre nach Australien. Und kehrte wieder nach Berlin zurück. Und machte Musik.

Ein Abend, der unter die Haut geht © Hamburger Kammerspiele/Bo Lahola

„Der Ghetto Swinger“: Uraufführung an den Hamburger Kammerspielen

Um das alles geht es im „Ghetto Swinger“. Also um Coco Schumann an sich. Vor allem als jungen Mann. Das Stück um den beeindruckenden Musiker hat Kai Ivo Baulitz geschrieben. Die Fassung, die jetzt wieder in den Hamburger Kammerspielen zu sehen sein wird, stammt, ebenso wie die Musik nebst Inszenierung von Gil Mehmert.

Eigentlich wollte ich das Stück schon lange sehen. Aus mehreren Gründen. Da wäre erst einmal die beeindruckende Geschichte an sich, die nicht nur viel guten Jazz verspricht, sondern eben auch Momente, die tief unter die Haut gehen. Dann wäre da noch der Fakt, dass das Musical seit seiner Uraufführung auch noch an vielen anderen Theatern gespielt wurde. Es hat quasi die Runde gemacht. Für mich ist das durchaus ein Qualitätsmerkmal. Denn nur was gut ist, wird auch häufig gespielt. Ist halt so. Dann wäre da noch Helen Schneider. Die Göttliche. Die Musical-Ikone. Und nein, da greife ich nicht zu hoch. Das ist halt auch einfach so. Helen Schneider live zu erleben, ist immer eine Wucht. Und sie spielt nun mal mit.

Musical-Ikone Helen Schneider © Hamburger Kammerspiele/Bo Lahola

In Gedenken an Coco Schumann

Das sind eigentlich schon alles wirklich gute Gründe, um sich den „Ghetto Swinger“ anzuschauen. Aber immer, wenn das Stück wieder auf dem Spielplan der Hamburger Kammerspiele stand, habe ich es doch nicht hingeschafft. Anfang des Jahres habe ich das bitter bereut. Denn am 28. Januar starb Coco Schumann. Ich habe das Stück über ihn nicht mehr zu seinen Lebzeiten gucken können. Dann aber wenigstens jetzt in Gedenken!

Und wer weiß? Vielleicht konnte ich euch auf das Stück mit Musik (ich sage da nicht ohne Grund Musical zu – auch wenn man hierzulande wohl was anderes sagen müsste, um nicht mit der fluffigen Unterhaltungskategorie assoziiert zu werden) ja ein wenig neugierig machen? Sieht man sich zwischen dem 30. Mai und dem 16. Juni vielleicht in den Hamburger Kammerspielen? Ich gehe auf jeden Fall hin – und werde berichten!

Bildnachweis Titelfoto: Hamburger Kammerspiele/Bo Lahola

Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s