David Harringtons Klaviershow „Ein Pianist packt aus“ im Schmidtchen

So ein Leben als Pianist muss doch schön sein. Ein wenig klimpern, viel Lob erhalten, ausschlafen und mal so gar nicht hart arbeiten. Ich sag mal so: wer in solchen Klischees denkt, sollte sich unbedingt „Ein Pianist packt aus“ im Schmidtchen anschauen. Unter der Regie von Corny Littmann erzählt, spielt und singt dort David Harrington höchst unterhaltsam von den Höhe-, aber vor allem von den Tiefpunkten in seinem Leben.

David Harrington, Schnittchen, Hamburg, Foto: Morris Mac Matzen
Ein Mann braucht sein Klavier. Punkt. ©Morris Mac Matzen

Rollatorenwalzer statt großer Konzertsaal, besoffene Bargäste statt frenetisch applaudierendes Publikum, Korn statt Champagner. So ein Musikerleben hat es schon in sich. Erfolge und Niederlagen liegen dicht beieinander, wechseln sich in krassen Kontrasten ab. Und meistens fällt man tiefer als man zuvor aufgestiegen ist. Der Pianist David Harrington, seines Zeichens Teil des Tasten-Duos David & Götz, das unter anderem 2016 in der Barclaycard-Arena Hamburg das größte Klavier-Duo-Konzert der Welt gab, kann von all dem Schönen, Schlechten, Freud- und Leidvollem, was einem Pianisten so im Berufsalltag begegnet, ein Lied singen. Und das tut er in seiner Soloshow „Ein Pianist packt aus“ im Schmidtchen dann auch.

Wobei es nicht nur bei einem Lied bleibt, denn Harrington ist nicht nur ein hervorragender Pianist, der sich mit schlafwandlerischer Sicherheit durch das Unterhaltungssegment zu spielen weiß, sondern auch ein ausgebildeter Sänger mit einer beeindruckend vielfältigen Stimme. So ahmt er mit Leichtigkeit Roy Black oder Peter Alexander nach, lässt die Comedian Harmonists wieder aufleben, huldigt den Beatles oder spukt als Phantom der Oper über die kleine aber feine Bühne des Schmidtchens auf der Reeperbahn.

Das musikalische Leben des David Harrington

David Harrington, Schnittchen, Hamburg, Foto: Morris Mac Matzen
Weihnachten im Elbe Einkaufszentrum ©Morris Mac Matzen

Wahllos ausgesucht sind die meist stimmungsvollen Songs indes aber nicht, denn David Harrington verknüpft sie eng mit seinem Leben. So wehen am Anfang seiner Karriere Operettenmelodien durch den Saal, wenn der junge Harrington frisch von der Musikhochschule kommt. Große Träumen treiben ihn an – die Kaffeeunterhaltung im Altenheim bezahlt indes seine Miete. Statt in den Konzertsälen der Welt spielt er zu Heiligabend im Elbe Einkaufszentrum. Und schließlich: Barpianist! Eine Mucke folgt der nächsten, bis er auf einem abgetakelten Kreuzfahrtschiff landet, wo er Abend für Abend den gleichen Seim spielen muss, bis er, nach regem Zuspruch von reichlich Wein und Kokain, an der monotonen Dauerbelastung fast zerbricht.

Aber eben nur fast. David Harrington fängt sich wieder, wird dritter Dirigent in der Neuen Flora und plaudert fleißig aus dem Anekdotenkästchen des Backstagebereichs vom „Phantom der Oper“. Diese Szenen haben mich persönlich am meisten angesprochen. Klar. Schließlich habe ich selbst zwei Jahre vor und hinter der Bühne dieses Musicals gearbeitet und konnte dementsprechend viel wiederfinden. Mal ganz davon abgesehen, dass Harrington ein ganz fabelhaftes Phantom abgegeben hätte. Seine Stimme passt perfekt zu der Partie. Das hat bei mir sogar für Gänsehaut und feuchte Augen gesorgt. Herrlich!

Unterhaltsame Leichtigkeit aus dem Schmidt-Theateruniversum

David Harrington, Schnittchen, Hamburg, Foto: Morris Mac Matzen
Ganz nah, ist das Phantom der Oper … ©Morris Mac Matzen

Dass ich generell sehr begeistert von der gestrigen Show bin, hat aber noch einen anderen Grund. Denn David Harrington ist auch noch ein hervorragender Darsteller! Am Anfang etwas schleppend, hat es ein paar Minuten gebraucht, bis er in Fahrt kam. Aber dann gab es tatsächlich kein Halten mehr! Konsequent energiegeladen und immer auf den Punkt sprang er von Rolle zu Rolle, wenn er nicht gerade sich selbst verkörperte. Seine Dirigierimitation von Karajan war dabei ebenso treffsicher wie die Mimik von Udo Jürgens. Ein Lachfreudenfest – selbst wenn es mal ernster wurde. Aber genau das ist es ja, was die kleinen und großen Shows, die dem Schmidt-Theateruniversum entspringen, ausmacht: auch ernstere oder gar abgründige Themen können unterhaltsam und leicht transportiert werden. Da erkennt man dann auch hier ganz deutlich die Regiehandschrift von Corny Littmann.

Um es kurz zu machen: „Ein Pianist packt aus“ ist ein ganz wunderbarer Musikabend, der dank David Harringtons Bühnenpräsenz auch nicht mehr als diese eine Person auf der Bühne braucht. Ich kann euch die Show dementsprechend nur ans Herz legen. Weitere Informationen zum Stück sowie Tickets findet ihr auf der Schmidt-Website. Die nächsten Vorstellungen sind am 25. und 26. Januar sowie am 20. und 21. März oder am 4. und 6. April 2019.

Nachweis Titelbild: ©Morris Mac Matzen

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